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Auslandspraktikum bei in Nordborg, Dänemark

Andreas Kampleitner, August bis September 2006
Die Anreise

zu meinem vierwöchigen Praktikum in Dänemark dauerte insgesamt 15 Stunden. Nach meiner Ankunft mit dem Nachtzug am Sonntag, dem 20. August 2006, in Hamburg, nahm ich einen Anschlusszug der dänischen Bundesbahnen in Richtung Flensburg. Zweieinhalb Stunden später, wenige Kilometer nördlich der deutschen Grenze, musste ich das zweite und letzte Mal umsteigen, worauf ich dreißig Minuten später den Bahnhof in Sønderborg erreichte. Anschließend fuhr ich mit einem Taxi zum Schülerwohnheim von EUC Syd, da meine Kontaktperson, Frau Eva Sjöström, an diesem Tag keine Zeit hatte, mich persönlich abzuholen. Im Wohnheim wurde mein Eintreffen bereits erwartet und ich bekam eine detaillierte Einführung über das Leben in meiner Unterkunft für die kommenden Wochen.


Die Arbeit bei Danfoss

Am Folgetag holte mich Frau Eva Sjöström um 9 Uhr ab und brachte mich nach Nordborg zu Danfoss (zusammengesetzt aus dem Wort "Danmark" und dem Verb "fosse" (strömen)), dem größten Industriebetrieb des Landes, mit 6.000 Mitarbeitern in Dänemark. Weltweit sind es über 18.000 Beschäftigte. Danfoss ist eines der führenden Unternehmen im Bereich Wärme- und Kältetechnik, mit einem Umsatz von ca. zwei Milliarden Euro jährlich.

Meine Stelle war ähnlich einer Entwicklungsabteilung. Zu Beginn hatte ich die Wahl zwischen verschiedenen Projekten, an denen ich mitarbeiten konnte. Ein Projekt zum Beispiel beschäftigte sich mit dem Bau eines Roboters, der Werkstücke in eine CNC gesteuerte Fräse einlegt. Ich entschied mich zur Mitwirkung an der Entwicklung eines Massagesessels, da dieser noch im Anfangsstadium war und ich somit vom ersten Tag an dabei sein konnte.

Der Auftraggeber war ein Antiquitätenhändler aus Kopenhagen, der schon viele Firmen mit dem Wunsch konfrontiert hatte, einen Sessel mit seinen individuellen Vorstellungen entsprechenden Spielereien zu bauen. Danfoss war das erste Unternehmen nach sechs Jahren, das sich seines Wunsches annahm. Meine Aufgabe war Ideen einzubringen, solche durchzudenken oder Teile dafür am Computer in 3D zu konstruieren.

Neben diesen Arbeiten war ich in den nächsten Wochen am Bau eines Messestandes beteiligt, was meine Zeit bei Danfoss ca. zur Hälfte beanspruchte. Dieser Stand war ein Tisch für kleine Kettenbagger, die auf diesem diverse Aufgaben bewältigen müssen; z.B. mit dem Arm einen Knopf am Boden zu drücken (siehe Foto). Die ca. 50cm großen ferngesteuerten "Spielzeugmaschinen" mit beeindruckender Detailtreue (sogar der Türmechanismus war dem Original nachgebildet und voll funktionsfähig), zum Stückpreis von 1.200 Euro, repräsentieren einen Teil der Danfoss-Produkte im Bereich der Hydraulik, da sämtliche Bewegungen pneumatisch betrieben werden.

Zwischendurch konstruierte ich immer wieder gebrochene Maschinenteile oder andere Werkstücke am Computer, die dann gefertigt und wieder eingesetzt wurden.

Weiters war ich bei der Planung und beim In der dritten Woche zeichnete ich erste Entwürfe für eine Armbanduhr mit Organizerfunktion. Anschließend wurde ein Modell der Uhr auf einem 3D-Printer erstellt.

Bau einer Abdeckung für eine Zug-Druck-Prüfmaschine dabei, da immer wieder gebrochene Werkstücke weggeschleudert wurden.

Die Abteilung in der ich beschäftigt war ist eine Mischung aus Werkstatt und Konstruktionsbüro in einem Raum. Es arbeiten dort ca. 30 Techniker, Maschinenbauer, Elektrotechniker, Mechatroniker, etc. zusammen. Als ich zum ersten Mal einen Blick in diesen Raum warf, war ich von den Fertigungsmaschinen überwältigt, da fast alle ziemlich neu waren.

Das Lohnsystem hingegen fand ich etwas eigenartig: Alle drei Monate werden die Mitarbeiter vom Abteilungsleiter nach Kriterien wie Teamfähigkeit, Fleiß, Pünktlichkeit usw. beurteilt und anhand der Bewertung in eine höhere oder niedrigere Verdienstklasse eingeteilt.

Die Arbeitsatmosphäre und das Betriebsklima unter den Mitarbeitern war ausgezeichnet. Die Vorgesetzten werden nicht als "Chef" gesehen, sondern als gleichwertige Kollegen.


Die Führung

In meiner letzten Woche bei Danfoss in Dänemark hatte ich die Ehre, von meinem Chef, Klaus Madsen, einen Nachmittag lang durch das gesamte Werk in Nordborg geführt zu werden, wobei ich sehr viel über Danfoss erfahren habe. Ich habe nicht nur die Produktionsstätten gesehen sondern auch Bereiche wie die Qualitätssicherung mit unzähligen Prüfmaschinen und dazugehörige Verfahren, die Betriebsfeuerwehr und -rettung, die Kläranlage, die Heizung des Betriebes, in welcher jährlich eine Million Kubikmeter Gas verbraucht wird, und schlussendlich das Bürogebäude (Bild siehe Seite 1), das erst letztes Jahr komplett renoviert wurde und in welchem sich das letzte Büro des verstorbenen Firmengründers befindet, das als Attraktion gilt.


Mads Clausen war begeisterter Jäger, was man beim Betreten des Büros erahnen kann. Die Schreibtischplatte kann je nach Bedarf gekühlt bzw. beheizt werden.


Dieses Foto wurde vom obersten Stockwerk aus gemacht und zeigt rund ein Drittel der gesamten Firma.


Danfoss hat ein eigenes Fernsehstudio, in welchem Medienauftritte des Konzerns aufgenommen werden, damit die zu interviewende Konzernleitung nicht jedes Mal nach Kopenhagen fahren muss.



Dieses Bild zeigt den Konferenzraum, indem die Direktoren ihre Sitzungen abhalten. Jeder Direktor bekommt ein Prozent des Danfoss-Konzerns, welcher zu 95% im Besitz von Jørgen Clausen ist.


Die Eingangshalle des Bürogebäudes


Die Unterkunft, die Tägliche Fahrt zu Danfoss und das Essen

Mein Zimmer im Schülerwohnheim war zwar nicht besonders groß, dafür fast neu und komfortabel eingerichtet, mit Bad und einem Internetanschluss für meinen Laptop.

Es gab ein reichhaltiges Freizeitangebot, dazu gehörten ein Tennis- und ein Fußballplatz, ein Internetcafe, Fernsehräume, eine Sporthalle und noch vieles mehr. Meistens schmeckte das Essen auch sehr gut mit mindestens zwei verschiedenen warmen Speisen. Allerdings war das Frühstück während Woche zu früh für mich, da mein Bus um 650 am zehn Gehminuten entfernten Busbahnhof abfuhr. So trank ich bei Danfoss einen kostenlosen Kaffee in der ersten Pause um 8:30 Uhr. Bemerkenswert gut war das Mittagsbuffet in der Werkskantine, wo man um umgerechnet 2,60 Euro sogar eine Nachspeise bekam. Die Fahrt nach Nordborg zur Firma dauerte rund eine halbe Stunde, Busse zurück nach Sønderborg gingen im Halbstundentakt.

Am ersten Wochenende fand am Sønderborger Flughafen eine Airshow statt. Über 40 Flugzeuge, darunter alle Baujahre, angefangen von 1930, und Baugrößen, bis hin zu einer Passagiermaschine mit 120 Sitzplätzen flogen waghalsige Manöver. Besonders beeindruckt hat mich der Flug einer F16 von Lockheed Martin der Dänischen Luftwaffe. Der Lärm war ohrenbetäubend. Auch konnte man den Hangar besichtigen, in dem der nagelneue Danfoss Privatjet stationiert ist.

Am zweiten Wochenende machte ich einen Ausfug mit der Fähre zur Nachbarinsel Fyn. Die Überfahrt von Fynshav nach Bøjden dauerte eine knappe Stunde und war dank des ausgezeichneten Wetters bei der Rückfahrt traumhaft schön.

Am letzten Wochenende besuchte ich Danfoss Universe, einen erst vor wenigen Monaten eröffneten Technikpark. Dieser befasst sich in unterhaltender Weise mit den Phänomenen Kälte, Wärme und Bewegung und damit mit den Kerntechniken von Danfoss. Die Absicht, die hinter dem Park steckt, ist, Interesse und Begeisterung für Wissenschaft und Technik zu wecken. An das Gelände angeschlossen ist der Bauernhof, in welchem der Firmengründer Mads Clausen gelebt hat und in dem heute ein Museum eingerichtet ist, das sich mit der Geschichte von Danfoss beschäftigt. Die Räume blieben erhalten und man kann unter anderem das erste Büro von Clausen besichtigen.

Die Sprache

Öfters war es mir möglich, das eine oder andere Wort Dänisch zu verstehen, da sich Ähnlichkeiten zu Deutsch erkennen ließen. Mein Chef Klaus Madsen, der perfekt Deutsch sprach, bemühte sich sehr, mir ein paar Phrasen seiner Sprache beizubringen, sodass ich bald die wichtigsten Ausdrücke beherrschte. Einige Kollegen sprachen gut Deutsch, andere bevorzugten den englischen Dialog. Wörter, vorallem aus dem technischen Bereich, welche ich nicht übersetzen konnte, wurden von den Dänen auch auf Deutsch verstanden.

Weiteres

In den vier Wochen, während der ich im Süden Dänemarks leben durfte, war das Wetter bis auf wenige Ausnahmen sonnig und angenehm warm. Ständig leichter und manchmal starker Wind ist für diese Regionen üblich. Da der Sommer 2006 in ganz Europa überdurchschnittlich heiß war, hatte das Meer für die Dänen sehr warme 19°C. Je nach Flut konnte die Quallendichte auf geschätzte 5 Stk/m² im Uferbereich steigen.

Das Preisniveau in Dänemark ist im Mittel um ein Drittel höher als bei uns.

Mein Resümee

Abschließend möchte ich mich bei Herrn Professor Pixner für die Vermittlung dieses Auslandpraktikums und bei den Freunden der Höheren Technischen Bundeslehranstalt Vöcklabruck für die finanzielle Unterstützung recht herzlich bedanken. Ich empfehle jedem Schüler, der die Möglichkeit erhält, an einem solchen Programm teilzunehmen, diese Chance unbedingt wahrzunehmen und wertvolle Auslandserfahrung zu sammeln. Es waren interessante, lehrreiche vier Wochen bei der Firma Danfoss in Dänemark, an die ich gerne zurückdenke.


Die schönsten Momente festgehalten

alle Fotos in diesem Bericht sind von mir persönlich fotografiert